2022-12-20

Kunst und Kampf – Marco Odermatt kann beides

Marco Odermatt feiert Weihnachten als Leader im Gesamtweltcup 2022/23. Der Nidwaldner sammelte bei den Speed-Klassikern von Val Gardena und bei den Riesenslalom-Klassikern von Alta Badia kräftig Punkte. Nicole Good bescherte Stöckli den zweiten Saisonsieg im Europacup.

Kunst und Kampf – Marco Odermatt kann beides

Insgesamt hat Marco Odermatt in diesem Winter 10 Weltcup-Rennen bestritten – vier Riesenslaloms, vier Abfahrten und zwei Super-G. Neun Mal (!) stand er auf dem Podest, vier Mal als Sieger. Eine unfassbare Statistik, die sich in der klaren Führung in der Gesamtwertung ausdrückt. Odermatt liegt 271 Zähler vor Aleksander Aamodt Kilde und bereits 481 Punkte vor Lucas Braathen. Mit den am Montag in Alta Badia gewonnenen Zählern hat Odermatt 796 Punkte auf dem Konto. Damit hätte er die Weltcup-Saison 2021/22 im Gesamtklassement auf Platz 7 abgeschlossen und 2020/21 wäre er gar Fünfter geworden...

Aber der Reihe nach. Am Donnerstag und Samstag wagte sich der 25-Jährige auf die klassische Abfahrt in Val Gardena. Die «Saslong»-Piste ist nicht die steilste im Zirkus, hat aber mit der welligen Ciaslat doch einen Abschnitt, der so seine Tücken hat. Und für Odermatts Abfahrts-Premiere von Val Gardena liess sich Stöckli etwas einfallen. Servicemann Chris Lödler überzeugte nach den eher mässigen Trainingszeiten den Athleten, auf ein neues Skimodell zu setzen – das Resultat: Odermatt wurde am Donnerstag auf der leicht verkürzten Strecke Zweiter. Beni Matti, der Stöckli-Rennchef, klärte auf: «Wir haben gemerkt, dass wir für Bormio, Kitzbühel oder Wengen, also auf eisigen, gewässerten und ruppigen Pisten, sehr gutes Material haben. In Val Gardena, Kvitfjell und China, wo der Schnee aggressiver und stumpfer ist, hatten wir noch das eine oder andere Problem. Wir haben nach einer Lösung gesucht, vor Val Gardena einen neuen Ski entwickelt und nach dem Training entschieden, dass wir diesen neuen Ski im Rennen einsetzen wollen». Man sei in der Theorie sicher gewesen, dass das Material funktioniere, fügt Matti an. Und die Theorie sollte in der Praxis bestätigt werden. «Und prompt fährt Odermatt mit diesem Ski ein top Rennen. Dass es so aufgegangen ist, ist Odermatt zu verdanken, der die Umstellung derart gut gemeistert hat». Solches kann nur funktionieren, wenn sich der Athlet auf das Wagnis einlässt und wenn er ein Gefühlsskifahrer wie Odermatt ist. In der zweiten Abfahrt verpasste der Nidwaldner sein 13. Weltcup-Podest in Serie und fuhr auf Platz 7 – 0,5 Sekunden fehlten auf Platz 3.

Weiter ging es am Sonntag und Montag in Alta Badia, wo die «Gran Risa», eine der schwierigsten Riesenslalom-Strecken im Weltcup, gleich zwei Mal – respektive vier Mal – zu bezwingen war. Der erste Lauf (Sonntag) verlief nicht nach Odermatts Vorstellungen und endete auf einem drehenden und langsamen Kurs mit Zwischenrang 9. In der Entscheidung packte «Odi» dann aber den Künstler aus und holte sich noch Platz 3. Am Montag dann setzte er vorerst die «Ski-Kunst» fort und übernahm mit 0,6 Sekunden Reserve auf Henrik Kristoffersen die Führung. Im zweiten Lauf, dem vierten auf dieser anstrengenden Piste innerhalb von zwei Tagen, musste Odermatt auf Kampf setzen. «Es war ein riesiger Fight», räumte Odermatt, der jetzt 15 Weltcup-Siege auf seinem Konto stehen hat, ein. Nachdem er am Vormittag für den ersten Lauf noch das Gefühl hatte, dass der Energiehaushalt stimme, so präsentierte sich die Situation nach der Mittagspause zwischen den Läufen komplett anders. Odermatt stand mit schweren Beinen und einem müden Kopf «ausgerüstet» am Start des letzten Renneinsatzes vor der kurzen Weihnachtspause. 448 Höhenmeter tiefer und 1:18,23 später konnte der Nidwaldner durchatmen. «Jetzt bin ich einfach froh, dass ich gut nach unten gekommen bin und dass es am Ende doch noch für den Sieg gereicht hat». Er habe Mühe gehabt, in den zweiten Lauf reinzukommen und deshalb kurz auch das Vertrauen eingebüsst, sagte Odermatt. Letztlich dürfte der Umstand, dass der Leader im Gesamtweltcup für einmal nicht Künstler, sondern eher «Handwerker» auf den Skiern gewesen ist – wer die beiden zweiten Läufe von gestern und heute anschaut, der kann den Unterschied sehen – dürfte der zur Neige gegangenen Energie geschuldet sein.

Auch der Europacup liefert Grund zur Freude. Nicole Good gewann am Samstag den EC-Slalom in Ahrntal (ITA) und feierte, nachdem sie am Freitag auf demselben Hang mit dem Podestplatz vor Augen ausgeschieden war, ihren ersten Slalom-Erfolg im Europacup. «Ich freue mich riesig über diesen Sieg», sagte Nicole Good gegenüber skinews.ch. «Ich bin gestern und heute gut Ski gefahren. Gestern halt dann dieser Einfädler…. ich habe das gute Gefühl, das ich gestern auf der Strecke hatte, aber mitnehmen können».

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