2019-02-11

Dem Tempo auf der Spur – ein „Fall für drei“

Sie heissen nicht Josef Matula oder Markus Lessing. Sie heissen Roman Liesinger, Silvan Aemmer und Marco Gämperle. Und sie sind auf wichtiger Mission in Are: sie sind dem Tempo auf der Spur.

Dem Tempo auf der Spur – ein „Fall für drei“

Drei Männer, eine Mission: die Suche nach dem schnellsten Ski für Ilka Stuhec, Marco Odermatt und Co. Ski anschnallen, während 20 Sekunden und bei maximal 115 km/h die Teststrecke hinunter, mit dem Ski-doo rauf an den Start und schon steht die nächste Fahrt an. „Jeder von uns testet fünf Paar Ski und absolviert mit jedem Paar drei Fahrten unmittelbar hintereinander“, erklärt Silvan Aemmer, der das Testteam leitet. Auf der kurzen Strecke dreht sich alles um Hundertstelsekunden. Von Aemmer, Roman Liesinger und Marco Gämperle ist in jeder Fahrt eine identische Position über dem Ski gefordert. „Es geht nicht darum, wer von uns dreien der Schnellste ist. Wir suchen den schnellsten Ski für unsere Athletinnen und Athleten.“ Wichtig ist, dass die Position auf dem Ski bequem und für den Testpiloten nicht zu anstrengend ist. „Es nützt wenig, wenn die ersten Fahrten in perfekter Renn-Hocke und die letzten wegen der fehlenden Kraft in den Beinen halb aufrecht gefahren werden. Wir brauchen vergleichbare Daten, um ein vernünftiges Resultat zu bekommen“, sagt Aemmer.

Die wichtigsten Tests, dort, wo es um die Auswahl der Rennskis geht, finden während der für das Rennen geplanten Tageszeit statt. „Das macht Sinn, weil die Chancen, dass wir am Testtag ähnliche Temperatur- und Wetterbedingungen haben wie dann am Renntag, am besten sind. Ein Test um acht Uhr bei minus 15 Grad bringt wenig, wenn das Rennen am nächsten Tag um 12.30 Uhr bei ungefähr 0 Grad stattfindet.“  Unterstützt wird die Arbeit durch eine kleine Wetterstation, die für jede Testfahrt Luft- und Schneefeuchtigkeit, die Luft- und Schneetemperatur und die Uhrzeit aufzeichnet. „Diese Daten können wir dann jeder Fahrt und jedem Ski zuordnen. Das macht dann eventuelle Schwankungen in den gefahrenen Zeiten nachvollziehbar.“

Gämperle ist in der Hocke auf dem Weg nach unten. Liesinger hängt am Ski-doo und kommt wieder rauf und Aemmer macht sich für seine nächste Fahrt bereit. Die Kommunikation zwischen den Testfahrern ist während der Arbeit auf ein Minimum reduziert. „Stimmt, zum Sprechen kommen wir wenig. In dieser Beziehung läuft unsere Arbeit ruhig ab“, sagt der ehemalige Rennfahrer Marco Gämperle. „Aber alles andere ist relativ hektisch und wird unter Zeitdruck gemacht.“ Ein deutliches Indiz dafür: die Schnallen der Skischuhe bleiben geschlossen. Anfang der ersten WM-Woche, als sich die Temperaturen in Are im tiefen Minusbereich bewegt haben, war das Trio auch nicht wirklich zu beneiden. Während die Athletin oder der Athlet nur kurz ausschliesslich im Renndress steckt und auf wärmende Kleidung verzichten muss, waren die Testpiloten gleich mehrere Stunden nur im dünnen Stoff unterwegs. Aber Stuhec, Odermatt und Co. wissen das zu würdigen. „Wir bekommen von den Rennfahrerinnen und –fahrern immer wieder ein Merci. Die wissen schon, welche Arbeit wir für sie leisten“, sagt Aemmer.  

Alles muss relativ rasch gehen und in einem kleinen Zeitfenster ablaufen. Nur so können die Tests bei möglichst gleichbleibenden Bedingungen durchgeführt werden. Nur so erhalten die gesammelten Daten die angestrebte Aussagekraft. Drei Fahrten pro Ski ergeben drei Zeiten. Die drei Zeiten ergeben einen Durchschnittswert und dieser wird dann zur Referenz dafür, ob der Ski schnell und für die herrschenden Bedingungen der richtige ist. „Aus den Zeiten lassen sich auch Einflüsse von Wind und Wetter ablesen. Darum ist es wichtig, dass die Gleittest innerhalb einer möglichst kurzen Zeitspanne gefahren werden.“ Getestet werden je nach Tagesprogramm Skimodelle, unterschiedliche Strukturen und Beläge und auch unterschiedliche Wachsarten und -marken, die in Frage kommen, um – zum Beispiel beim Finish kurz vor dem Rennstart – vom Servicemann aufgetragen zu werden.

Die Tatsache, dass Ilka Stuhec die WM-Abfahrt mit einem Ski in Angriff genommen hat, der bei einem Weltcup-Rennen durch einen Stein beschädigt worden ist, ist zum Beispiel ein konkretes Ergebnis aus der geleisteten Testarbeit. „Der Ski ist geflickt und frisch geschliffen worden. Wir haben ihn mit zwei Referenz-Skiern, von denen wir Testergebnisse und Vergleichswerte vorliegen haben, bei den Tests in Are verglichen. Die Resultate waren klar: dieser Ski ist auch nach der Reparatur der schnellste.“

Die ständigen Schneefälle der letzten Tage haben die Testresultate und deren Brauchbarkeit für die Rennen kaum beeinträchtigt, wie Silvan Aemmer sagt. „Jener Ski, der am ersten Wochenende bei Sonnenschein schnell gewesen ist, der ist es auch heute bei veränderten Verhältnissen noch. Klar gibt es hier und da mal Abweichungen, aber ganz generell ist das so. Deutliche Veränderungen gibt es hingegen im Bereich Wachs und Material für den Finish.“ 

Die Arbeit von Silvan Aemmer, Roman Liesinger und Marco Gämperle ähnelt wissenschaftlichen Methoden, findet aber nicht unter Laborbedingen sondern in der freien Natur statt. In Mittelschweden waren die drei Stöckli-Spürnasen dem Tempo auf der Spur. Dort haben sie während Tagen in Are ihre Suche zu einem „Fall für drei“ gemacht. Und damit auch Gold gefunden. Gold für Ilka Stuhec, die ihren Abfahrtstitel von 2017 in Schweden hat verteidigen können.

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