2022-04-07

Er veredelt die Ski zu wahren Meisterwerken

Es ist laut. An der Werkbank wird gehämmert, am Schleifband sprühen die Funken und die Anlagen laufen auf Hochtouren. Doch so laut es auch ist, einer bewahrt stets die Ruhe: Kay Schöb, 27 Jahre alt, Experte wenn es um das Schleifen der Stöckli-Ski geht und Teamleiter der Abteilung Veredelung.

Er veredelt die Ski zu wahren Meisterwerken

Kay’s Werdegang bei Stöckli ist interessant. Er absolvierte die Lehre zum Skibauer und arbeitete danach zwei Jahre als sogenannter «Springer». AVOR, Zusammenstellen, Schleifen, Richten – Überall packte er mit an. Überall hat er sein Wissen erweitert. Doch dann folgt der Weggang. Es war nicht leicht. «Als Junger wollte ich etwas mehr von der Welt sehen. Doch Stöckli lag mir immer am Herzen.» Er arbeitete zwei Jahre temporär als Schreiner. Schliesslich ist es dann eine zufällige Begegnung mit einem ehemaligen Kollegen, die ihn wieder mit Stöckli in Kontakt brachte. «Er sagte zu mir, ich müsse wieder zurückkommen, es sei einfach nicht das gleiche ohne mich» erinnert sich Kay schmunzelnd zurück. Und so soll es denn auch sein, der verlorene Sohn kehrt nach Hause zurück.

Zu Hause fühlt sich Kay hier definitiv. Vielleicht weil sich die Ski-Manufaktur nur unweit von seinem «richtigen» Zuhause in Luzern befindet. Doch auch weil es für Kay hier einfach passt. Er mag seine Arbeit, seine Kollegen und vor allem: das Produkt. «Skifahren war schon von klein auf eine grosse Leidenschaft von mir.» Kay ist im Skirennsport gross geworden und verbringt auch heute noch die Wintertage am liebsten auf den zwei Brettern.

Bei seiner Rückkehr standen mit dem Ausbau der Ski-Manufaktur wichtige Projekte an. Er übernahm eine tragende Rolle bei der Inbetriebnahme der neuen Schleifanlage und ist seither Teamleiter der Abteilung Veredelung. Hier gehört neben dem Schleifen auch noch das Richten und Paaren sowie die Endkontrolle dazu. «Der letzte Schritt also, bevor die Ski die Manufaktur verlassen», erklärt Kay.

Der Begriff «Veredeln» könnte hier passender nicht sein. Insbesondere für den Prozess, den die Ski beim Schleifen durchlaufen. Denn was aus der Presse kommt, sind lediglich Rohlinge, rohe Diamante sozusagen, die noch geschliffen werden müssen, bis ihr Strahlen schlussendlich vollends zur Geltung kommt. So wird zuerst  also jeder Ski einzeln von Hand am Schleifband in Form gebracht. Eine schweisstreibende, aber schöne Arbeit. «Es ist ein gutes Gefühl, wenn der Ski langsam die gewünschte Form annimmt.» Auch der Belag wird in einem ersten Schritt von Hand geschliffen. So können kleine Dellen genau ausgebessert werden. «Der Belag muss plan geschliffen sein, bevor die Ski in die Maschinen kommen» erklärt Kay weiter. Nur so kann sichergestellt werden, dass bei der anschliessenden Bearbeitung, der Ski über die gesamte Länge den gleichen Schliff erhält.

Anschliessend geht es auf die grossen Anlagen, die sogenannten Schleifstrassen. Es sind zwei an der Zahl, rund 20 Meter lang und bestehend aus je vier Maschinen, die die Ski einer nach dem anderen durchlaufen. Am Ende angelangt geht es zurück und nochmals durch. Alles voll automatisch, alles top modern. Auf der ersten Strasse werden die Kanten geschliffen, einmal seitlich und einmal belagsseitig. Auch der Belag geht hier zwei Mal über einen Schleifstein. Kay nimmt einen Ski vom Förderband, zeigt auf den Belag und erklärt: «In gewisser Weise wird hier der Belag aufgerissen und so vorbereitet, dass dieser auf der nächsten Schleifstrasse die lineare Grundstruktur erhalten kann». Dort werden dann auch die Seitenwangen bearbeitet. Denn Winkel und Profil müssen stimmen, damit anschliessend überhaupt das genaue Präparieren der Kanten möglich ist. Ebenso werden die Ränder am Deckblatt leicht abgerundet. «Damit wollen wir verhindern, dass bei der Fahrt die Kante des einen Skis nicht am Deckblatt des anderen Skis anhängt und dieses beschädigt wird.» Dieser Arbeitsschritt wird im Stöckli-Jargon übrigens «Rändle» genannt.

Eindrücklich, welche Details auch hier nochmals zum Tragen kommen. Selbst, nachdem alle Materialien mit äusserster Perfektion vorbereitet und sorgfältig verpresst wurden und der Ski immer mehr seine Endform annimmt, wird hier nochmals mit grösster Präzision gearbeitet und auf die kleinsten Details geachtet. Details, die für die Serienski genauso von Bedeutung sind wie für die Rennski. Denn bis hierhin durchlaufen alle Ski die gleichen Arbeitsschritte. Anschliessend kommen die Rennski zur Rennsportabteilung, wo sie dann ganz individuell je nach Athlet geschliffen und präpariert werden.

So gerne Kay selber die Anlagen bedient oder am Schleifband arbeitet, bringt seine Funktion auch eine grosse Verantwortung und entsprechend noch weitere Aufgaben mit sich. Er muss das Personal planen, alle Abläufe überwachen, die Maschinen programmieren, wenn z.B. eine neue Skiform kommt sowie sein eigenes Team führen. Und genau das mag er an seiner Arbeit sehr. «Die Menschen dahinter zu kennen und dafür zu sorgen, dass sie sich wohl fühlen.»

Das, und die Nähe zum Rennsport. «In unserer Abteilung muss man schnell reagieren können, ist direkt an den neusten Entwicklungen, unter anderem auch für den Rennsport, beteiligt und kann diese dann oftmals auch gleich in Aktion sehen. Es ist schon vorgekommen, dass wir kurzfristig für einen Athleten bei einem Rennskimodell etwas ändern mussten. Ein paar Tage später haben wir dann den Athleten am Rennen mit diesem Ski am TV gesehen. «Das ist schon sehr cool und macht es extrem spannend.»

Diese Erlebnisse spornen Kay an, jeden Tag das Maximum herauszuholen. «Für mich entsteht Perfektion, wenn man in Sachen Einsatz und Leidenschaft über die 100% hinaus geht.» Und genau das tut Kay auch, Tag für Tag, immer wieder aufs Neue.

 

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