2020-12-02

(Ski)Bauerin, Macherin und Powerfrau

Es geht hektisch zu und her. Schicht für Schicht wird aufeinandergelegt und zusammengebaut. Insgesamt 8 Schichten, dazu kommen 2 Kanten und kleine Details. Alles von Hand versteht sich. Dabei hat jeder Mitarbeiter seinen Platz, seine Aufgabe und weiss ganz genau, was er zu tun hat. Und mittendrin: Karin. Abteilungsleiterin Ski Zusammenstellen und Pressen bei Stöckli.

(Ski)Bauerin, Macherin und Powerfrau

«Ich habe gerne wenn’s läuft, wenn’s vorwärts geht und wir Vollgas geben können, Langeweile ist nichts für mich», sagt Karin, steht dabei an Arbeitsbank Nr. 2 und stellt gerade einen Ski zusammen. Sieht man ihr zu, geht alles sehr schnell. Das Ganze sieht so einfach aus, als hätte sie noch nie etwas anderes gemacht. Sie weiss genau, welche Schichten nacheinander kommen, wie die Materialien platziert und verarbeitet werden müssen. Das kann sie blindlings. Egal welches Skimodell. Dabei sind bei ihr Handbewegungen erkennbar, die andere nicht genau so machen. «Stellt man einen Ski zusammen, ist es wie bei einer Handschrift. Jede ist individuell. So ist es auch beim Skibau. Man eignet sich ganz individuelle Techniken an. Wenn ich das Handwerk einem neuen Mitarbeiter beibringe, wissen die anderen Mitarbeiter genau, wer ihm das Zusammenstellen gezeigt hat.» Woher kommt das? «Schwierig, vielleicht weil ich schon 12 Jahre hier arbeite und mir mit den Jahren eine ganz spezielle Technik angeeignet habe.»

12 Jahre bei Stöckli und schon immer Abteilungsleiterin? «Nein, nein. Die Abteilung zu übernehmen hat sich erst später ergeben. Begonnen habe ich als Skibauerin. Ursprünglich habe ich Landwirtin gelernt. Ich war hier zum Probearbeiten und nach ein paar Tagen kam der damalige Produktionsleiter zu mir und meinte: Gut, du kannst bleiben. Besiegelt haben wir das damals per Handshake.»

Karin ist kein Büromensch. Sie ist eine Macherin. «Ich mag es, wenn man mit Materialien arbeiten kann, etwas kreieren kann und am Schluss ein fertiges Produkt in den Händen hält. Dann weiss man, was man gemacht hat. Und das Schönste bei uns in der Abteilung: Wir sind mitten im Herz der Skimanufaktur. Hier entsteht ein Ski. Die anderen Abteilungen in der Manufaktur bearbeiten oftmals nur einen Teil eines Skis. Wir bringen alle Teile zusammen und vollenden den Ski. Von 0 auf 100 sozusagen. Das gefällt mir.»

Und wie kams dann schlussendlich vom Skibauerin zum Führen einer Abteilung? «Ski zusammenstellen hat mir schon immer gefallen, ich habe das 7 Jahre lang gemacht. Doch mit der Zeit wurde mir dies zu langweilig. Ich habe gerne Herausforderungen in meinem Leben und wollte mehr Verantwortung. Mehr Aufgabengebiete. Dass ich aber Abteilungsleiterin werden würde, war schlussendlich Zufall. Mein damaliger Chef ist ausgefallen, dann musste ich übernehmen.» Anfänglich keine leichte Aufgabe. «Ich arbeitete jeden Tag 12 Stunden und mehr, musste mir vieles selbst beibringen, selbst herausfinden. Alles besser kennen lernen. Mich durchsetzen.»

Doch, es hat sich gelohnt. Heute führt Karin die Abteilung mit insgesamt 15 Personen sehr erfolgreich. Sie hat stets den Überblick, weiss was läuft. Hat auf alles eine Antwort. «Das Schöne ist, dass ich so zu sagen aus dieser Abteilung entstanden bin. Ich habe so vieles gelernt und erlebt, wurde schon mit so vielen Situationen konfrontiert und bin daraus nur stärker geworden. Diese Abteilung ist jetzt mein Baby. Ich sehe mich nicht als Angestellte, sondern ich betrachte die Abteilung als mein eigenes Geschäft. Ich bin dafür verantwortlich.» Und Karin ergänzt: «Es ist wie mein eigener Bauernhof und dies sind alles meine Schäfchen. Man muss also jeden Tag darauf achten.»

Abteilungsleiterin Zusammenstellen und Pressen sowie Führen von 15 Mitarbeiter? Eine grosse Aufgabe. Aber was heisst das genau? «Normalerweise bin ich weniger am Zusammenstellen, so wie ich das jetzt gerade mache. Aber wir befinden uns aktuell in der hektischsten Phase vom Jahr. Jetzt werden bis zu 534 Ski pro Tag zusammengestellt inkl. Rennski für den Weltcup. Eine stressige Zeit und wenn Mitarbeiter ausfallen, wird’s noch kritischer. Denn: der Winter naht. Dann helfe auch ich mit. Aber, das mache ich sehr gerne. Ich bin ja auch ein Teil davon.»

Ist Karin nicht am Zusammenstellen, dann macht sie die gesamte Personalplanung, führt Mitarbeitergespräche, macht Qualitätskontrollen und Revisionen, ist erste Anlaufstelle bei Problemen, sitzt mit dem Verantwortlichen für Skientwicklung zusammen und gibt Feedbacks zu neuen Material- und Technologieideen. «Ich kann mittlerweile sehr gut beurteilen, ob neue Materialien beim Zusammenstellen funktionieren könnten oder nicht und ob die mit bestehenden Materialien harmonieren.»

Und das Führen von 15 Mitarbeitern? «Das macht mir super viel Spass. Ich habe ein tolles Team. In meiner Abteilung arbeiten Personen aus über 8 verschiedenen Nationen. Das macht es extrem spannend und ist zugleich aber auch eine Herausforderung. Denn zum einen sind Mitarbeiter in ihrer Persönlichkeit ja unterschiedlich zueinander, andererseits hier bei uns auch hinsichtlich ihrer Mentalität und Sprache.»

Doch in ihrer Abteilung ist nicht nur Karin mit voller Leidenschaft dabei. Auch ihr gesamtes Team – egal, ob schon jemals auf den Ski gestanden oder nicht. «Bei uns ist jeder Stolz, ein solches Produkt zusammenzubauen. Wir haben beispielsweise jemanden aus Sri Lanka. Jedes Jahr fliegt er in seine Heimat, um seine Familie zu besuchen. Dann erhalte ich jeweils Fotos, wie er im dicksten Stöckli Pullover bei 30 Grad und extremer Luftfeuchtigkeit in der kleinen Unterkunft bei seiner Familie sitzt. Seinen Pullover würde er dabei nie ausziehen», erzählt Karin, lacht dabei und ergänzt: «Es spielt bei uns in der Abteilung keine Rolle, ob du Ski fährst, wichtig ist, dass du das gerne machst, was du jeden Tag tust. Nämlich Ski zusammenbauen.»

Hört man Karin zu, merkt man, dass sie sehr stolz auf ihr Team ist. Erzählt sie über einzelne Mitarbeiter, dann scheint es, dass sie jeden einzelnen sehr gut kennt und gut zu ihm schaut. Wie ein Bauer auf seine Schäfchen eben. Klar kann sie auch anders, sagt sie. «Aber wenn jemand weiss, dass er einen Fehler gemacht hat, dann nützt es ja nichts mehr, wenn ich auch noch Ausrufe. Ich gebe Kritik, ja. Aber ich versuche dies immer auf eine motivierende Art zu machen.»

So ist Karin. Motivierend und immer das Positive sehen. Jederzeit das Beste daraus machen. Egal in welcher Situation. Und dies Tag für Tag. Eine richtige Powerfrau eben.

#BuiltForShePower

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