2023-02-16

Auf was kommt es beim Skischuh an?

IM GESPRÄCH MIT DEM SKISCHUHEXPERTEN VON ALINE DANIOTH, ANDREA ELLENBERGER & CO.

Auf was kommt es beim Skischuh an?

Man hört es immer wieder: der Skischuh ist beim Setup der Athleten fast genauso wichtig wie die Ski. Doch was ist so besonders an den Rennschuhen im Vergleich zu den normalen Skischuhen? Einer, der da bestens mitreden kann, ist Max. Denn bei ihm dreht sich fast den ganzen Tag alles um Skischuhe. Seit drei Jahren ist er Bootfitting-Spezialist bei Stöckli und betreut da auch einige unserer Athletinnen und Athleten. Er hat uns ein paar spannende Einblicke ins Rennschuhfitting gegeben.

Wie unterscheidet sich ein Rennschuh von einem normalen Skischuh? 
Ein Rennschuh ist oft härter und basiert auf einer schmaleren Leiste. Wir sprechen hier von einer Leistenbreite von 91-93mm im Vergleich zu 98mm und mehr bei herkömmlichen Skischuhen. Dies ist wichtig für eine direktere Kraftübertagung und um den ausgesetzten Kräften standzuhalten. Weiter wird der Schuh aus einem Guss gefertigt und hat andere Winkeleinstellungen was z.B. die Neigung nach vorne oder nach innen und aussen betrifft. Speziell ist auch, dass der Innenschuh in der Regel separat geschnürt und nur sehr dünn ist. Dies soll ebenfalls dazu dienen, die Impulse aus den Füssen möglichst direkt auf die Ski zu übertragen.

Was ist beim Rennschuhfitting anders als beim herkömmlichen Bootfitting?
Weil die Schale eines Rennschuhs aufgrund des höheren Anteils an PU dicker ist, wird in der Bearbeitung mehr gefräst anstatt verformt oder ausgeweitet. Das erlaubt mir den Schuh schmal zu halten, damit der Aufkantwinkel nicht beeinträchtigt wird. Eine grosse Bedeutung kommt auch dem sogenannten «Canting» zu. Dabei handelt es sich um die Veränderung der Neigung nach innen oder aussen. So kann ich die Aggressivität des Setups punktgenau auf die Bedürfnisse der Athleten abstimmen. Und nicht zu vergessen, ist die Einlagesohle. Je nach Disziplin und Körper stelle ich diese aus unterschiedlichen Materialien zusammen, um eine perfekt Verbindung zwischen Körper und Ski zu ermöglichen.

Das klingt nach anspruchsvollen Herausforderungen…
Ich würde eher sagen spannend und aufregend. Hinzu kommt, dass Rennschuhe äusserst präzise sein müssen. Und dies nicht nur in dem Sinne, dass sie genau zum jeweiligen Athleten passen müssen. Es gibt auch gewisse Regeln, die eingehalten werden müssen. Zum Beispiel darf die Höhe zwischen Ferse und Schuhsohle nicht mehr als 43mm betragen. Und da versucht man natürlich immer, die Grenzen des Erlaubten voll auszuloten. Um dies zu erreichen können wir jeden Schuh genaustens ausmessen, da sowohl das Canting, die Lifter Platten unten am Schuh oder Einlagesohle einen Einfluss auf die Höhe haben können.

Wie lange dauert so eine Bootfitting-Session mit einem Athleten?
Das ist sehr unterschiedlich. Es kann sein, dass sehr wenig angepasst werden muss und ich nach zwei Stunden bereits fertig bin. Es kommt aber auch vor, dass ich den Skischuh praktisch neu zusammenbauen, evtl. noch schäumen und eine spezielle Einlagesohle anfertigen muss. Dann bin schon mal bis zu zwei Tage an einem Paar Skischuhe dran.

Und die Athleten haben ja meist nicht «nur» ein Paar Skischuhe, oder?
Richtig, und zum Teil testen sie auch während der Saison noch neue Setups. Dann kann ein Athlet oder eine Athletin auch mal mehr als die üblichen 2 Paar Schuhe haben. Ein Unterschied von 0.25 Grad beim Canting kann schon einen merklichen Unterschied machen. Oder z.B. unterschiedliche Schalenhärten für wärmere und kältere Temperaturen. Weiter ist die Anzahl an Skischuhen natürlich auch abhängig davon, wie viele verschiedene Disziplinen die Athleten fahren. Klar ist aber: langweilig wird es mir sicher nie.

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